AKTUELLE MELDUNG: Der diesjährige Friedenspreis geht an Karl Schlögel

Der Historiker und Osteuropa-Kenner Karl Schlögel erhält den Friedenspreis 2025.

Portraitfoto Karl Schlögel: Er hat sehr kurze weiß-graue Haare, trägt eine schwarze Brille mit markantem Rand, ein weißes Hemd und ein helles Jacket. Er lächelt leicht ironisch in die Kamera.

Bildquelle: Peter-Andreas Hassiepen

 

Ein Preis, der gerade heute wieder wichtig ist: Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Heute wurde der diesjährige Preisträger bekannt gegeben. Die Verleihung findet am Sonntag, den 19. Oktober 2025, in der Frankfurter Paulskirche statt und wird ab 11:00 Uhr live im ZDF übertragen.

Weltweit nimmt die Zahl der bewaffneten Auseinandersetzungen zu, ebenso wie die geopolitischen Spannungen. Um so wichtiger, über Ideen und Menschen zu sprechen und zu berichten, die sich dem Frieden witmen. Genau dies will der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels:

Er wird seit den 50er Jahren an Persönlichkeiten verliehen, die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen haben. Dabei ist nicht relevant, woher der oder die Preisträger*in kommt, welcher Nationalität oder auch welchem Glauben er oder sie angehört. Alleine der Beitrag zur Völkerverständigung ist wichtig.

Dieses Jahr nun wurde ein Schrifsteller und Historiker ausgewählt, der in seinen Büchern Fakten und eigene Erlebnisse verbindet, der genau erkundet und beobachtet und es versteht, bei seinen Lesern Empfindungen und Verständnis zu wecken. Zudem ist er Experte für Osteuropa, beschreibt die Ukraine als Teil Europas und fordert auf, das Land um unserer gemeinsamen Zukunft willen zu verteidigen. Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben.

Wie so oft in den letzten Jahren könnte die Preisvergabe auch in diesem Jahr wieder zu einer gesellschaftlichen Debatte führen. Zwar wird niemand anzweifeln, was für ein verdienter Preisträger Karl Schlögel ist, aber die ersten Stimmen werden schon laut, die nach bereits zwei Preisträgern, die thematisch im Bereich des russischen Krieges gegen die Ukraine lagen, in diesem Jahr eher einen Preisträger erwartet hätten, der sich mit dem Nahost-Konflikt auseinander setzt. Aber egal wie: Debatten sind gut und wichtig.

Und damit Sie, unsere Nutzer, an diesen Debatten teilnehmen können, machen Sie sich am besten anhand seiner Bücher gleich selbst ein Bild von Karl Schlögel:

Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik.

Was sagt uns der Grundriss einer Stadt über den amerikanischen Traum? Wie haben Eisenbahn, Auto und Flugzeug unseren Sinn für Distanzen verändert? Karl Schlögel findet Antworten an überraschenden Stellen: in Fahrplänen, Adressbüchern, auf Landkarten und Grundrissen. Er holt damit die Geschichte an ihre Schauplätze zurück, macht sie anschaulich, lebendig und wunderbar lesbar.

Cover: zu sehen ist ein alter Stich einer Stadtansicht.
Cover: Schwarz-weiß Foto eines Standbildes in der bekannten sowjetischen Ästhetik von zwei Männern und einer Frau. Dieses steht in einem See oder Meer.

Das sowjetische Jahrhundert: Archäologie einer untergegangenen Welt.

Karl Schlögel lädt zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein. Wir wissen zwar viel darüber, wie „das System“ funktioniert, weit weniger aber über die Routinen des Lebens in außergewöhnlichen Zeiten: Jedes Imperium hat seinen Sound, seinen Duft, seinen Rhythmus, der auch dann noch fortlebt, wenn das Reich aufgehört hat zu existieren. So entsteht, hundert Jahre nach der Revolution von 1917 und ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion, das Panorama eines einzigartigen Imperiums, ohne das wir „die Zeit danach“, in der wir heute leben, nicht verstehen können.

Der Duft der Imperien: „Chanel No 5“ und „Rotes Moskau“.

Kann ein Duft Geschichte aufbewahren? Zwei Parfums liefern Karl Schlögel den Stoff, die europäischen Abgründe des 20. Jahrhunderts neu zu erzählen. Durch die Turbulenzen der Revolution gelangte die Formel für einen Duft, der zum 300. Kronjubiläum der Romanows kreiert worden war, nach Frankreich. Er lieferte die Grundlage für Coco Chanels Nº 5 und für sein sowjetisches Pendant Rotes Moskau, das bis heute unter diesem Namen produziert wird. Verantwortlich für die Parfümindustrie war Polina Schemtschuschina, die Frau des Außenministers Molotow. Sie fiel später einer Säuberungskampagne zum Opfer ― und Coco Chanel kollaborierte mit den deutschen Besatzern.

Auf dem Cover ist ein stilisierter Parfum-Falcon zu sehen.
Zu sehen ist ein stilisiertes altes Gebäude und ein paar Personene auf einem schwarz-weiß Foto aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das russische Berlin: Eine Hauptstadt im Jahrhundert der Extreme.

Karl Schlögel spürt die große Geschichte in der kleinen auf, er folgt Menschen im heimlichen Zentrum der Weltrevolution und rekonstruiert ihre Netzwerke: Die Welt der Bahnhöfe und die der Salons im Tiergartenviertel, die Dichter des Silbernen Zeitalters und die Agitkünstler der Sowjetmacht, die Stadtwahrnehmung der Taxifahrer und der Skandal um die »Zarentochter Anastasia«. In seiner Darstellung spielen Kursbücher und Adressverzeichnisse eine Rolle, Cafés und Cabarets, das Zeremoniell der Diplomatie und die Praktiken des Untergrundkampfes, die polyglotte Welt der Komintern-Funktionäre und die Karten der Geopolitiker.